Chancen der regionale Lammfleischvermarktung in Berlin-Brandenburg

– Betriebsbesuch bei der Naturfleisch GmbH in Niebersdorf-Heinsdorf/Dahme –

Die Wahl der Rasse, die Haltungs- und Fütterungsbedingungen sind Schlüsselfaktoren eine erfolgreiche Vermarktung in der Lammfleischerzeugung, so Johann Nesges, der Geschäftsführer der Naturfleisch GmbH, der großen Wert auf den Einkauf von Schlachtlämmern einheitlicher Qualität legt. Denn nur diese erzielen hohe Preise und gewährleisten eine langfristige Kundenbindung.

Die Naturfleisch GmbH ist eines von zwei vergleichsweise großen Schlachtunternehmen, die Lämmer aus der Region ankaufen, in Brandenburg schlachten und auf dem Berliner Markt verkaufen. Seit 2007 werden in Heinsdorf im Kreis Teltow-Fläming ca. 1.000 Lämmer pro Woche geschlachtet und jeweils am Folgetag nach Berlin an einen Zwischenhändler ausgeliefert, der die frische Ware an Metzgereien, Gastronomiebetriebe oder an Einzelhändler vertreibt.

Es ist Grundlage des Geschäftsmodells von Herrn Nesges, dass er Stammkunden in Berlin bedient, die Wert auf die regionale Herkunft, die Frische und die hohe Qualität des Fleisches legen. Nur so kann er Preise realisieren, die höher sind als die des überregionalen Großhandels. Entsprechend kritisch wählt er die Schlachttiere beim Einkauf auf den Schafbetrieben aus. Sie dürfen weder zu schwer und damit zu fett sein, noch dürfen sie zu leicht und zu wenig bemuskelt sein.

Regionale Lammfleischvermarktung: Hohe Preise für Qualitätslämmer, aber kaum Nachfrage für leichte Lämmer und Altschafe!

Das Fleisch von Lämmern der Extensivrassen oder von Altschafen erfüllt die hohen Anforderungen des regionalen Marktes in der Regel nicht und muss daher überregional, teilweise international, abgesetzt werden. Denn auch Konsumenten, die der islamischen Glaubensgemeinschaft oder z.B. einer afrikanischen Ethnie angehören, fragen in Deutschland Hammel- bzw. Schaffleisch – anders als in den Heimatländern im Nahen Osten oder in Nordafrika – nur in sehr geringen Mengen nach. Für viele Schäfer aus der Region, die Extensivrassen halten, ist das eine ernüchternde Botschaft, denn neben den Zahlungen für die Grünlandpflege sind auch sie auf die Erlöse aus Lämmer- und Altschafverkäufen angewiesen. Sie stellen fest, dass sie nur bedingt an dem mehrjährigen Trend steigender Lammfleischpreise teilhaben.

Herrn Nesges seinerseits ist auch auf den Ankauf von Schlachtlämmern, die seinen Qualitätsanforderungen entsprechen, außerhalb des Landes Brandenburg angewiesen. Denn das Angebot in der Region ist insgesamt rückläufig und zudem saisonal auf den Jahresbeginn begrenzt. Daher kauft die Naturland GmbH im Frühling bzw. Frühsommer Lämmer von Betrieben in den Höhenlagen Thüringens und, später im Sommer, von den Deichschäfereien aus Schleswig-Holstein zu, um den Berliner Markt mit gleichbleibenden Qualitäten kontinuierlich beliefern zu können.

Um Angebot und Nachfrage von Schlachtlämmern auf regionaler Ebene stärker aufeinander abzustimmen, könnten Informationsveranstaltungen oder Schulungen die Schafhalter gezielt unterstützen, so die Haltung von Herrn Nesges.

Versuchsflächen werden vorbereitet

In den Versuchsparzellen wird das Sommergetreide mit einer Parzellendrillmaschine ausgesät

Das schöne Frühlingswetter bringt beste Bedingungen um alle Vorbereitungen für die neue Vegetationsperiode zu treffen. Auf der Versuchsstation der Professur Acker- und Pflanzenbau der Ökolandbaustudiengänge in Wilmersdorf bei Angermünde werden bestehende Feldversuche bearbeitet, neue Versuche angelegt, sowie Schau- und Vermehrungsparzellen eingesät. In den kommenden Tagen erfolgt die Aussaat verschiedener Linsensorten, u.a. wird hier im Rahmen einer Bachelorarbeit untersucht wie sich verschiedene Aussaatstärken auf den Bestand und den Ertrag auswirken. Anschließend kommen auch noch verschiedene Hirsesorten zur Erhaltungzucht hinzu.

Schäferinnen und Schäfer wollen wissen wie es mit der Schafhaltung in Brandenburg weitergeht!

Die Verkaufserlöse und Prämien aus der Schafhaltung decken auch in typischen Schafhaltungsregionen anderer Länder die Gesamtkosten der Produktion in der Regel nicht! So eines der Ergebnisse des Seminars „Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung in Brandenburg“, zu dem ein Team der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, unter der Leitung von Dr. Susanne von Münchhausen mit Unterstützung des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg eingeladen hatte. Die Veranstaltung, zu der rund zwanzig interessierte Teilnehmer kamen, fand im Kreis Teltow-Fläming statt.

Im Rahmen einer Seminarreihe sollen die Entwicklungschancen der Schafhaltung in Brandenburg bewertet und Entwicklungsstrategien für Schaf haltende Betriebe entwickelt werden. In enger Abstimmung mit Schafhaltern aus Brandenburg sollen dazu zunächst regionaltypische Betriebe modellhaft abgebildet und anschließend Analysen zur Wirtschaftlichkeit durchgeführt werden. Ziel ist es, aktuelle und zukünftige Herausforderungen in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit ausgewählter landwirtschaftlicher Produktionsverfahren, die wie die Mutterschaf- oder Mutterkuhhaltung für Brandenburg typisch sind, zu untersuchen. Diese Analysen erfolgen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Betriebswirtschaft des Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) und dem Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) bzw. der Lehr und Versuchsanstalt in Groß Kreutz (LVAT).

Dr. Claus Deblitz vom Institut für Betriebswirtschaft des vTI präsentierte einen internationalen Vergleich der ökonomischen Situation der Schafhaltung in klassischen Schafhaltungsregionen in Spanien, Frankreich, UK, Australien und Süd-Afrika. Wirtschaftlichkeitsanalysen typischer Betriebe aus Brandenburg könnten in Zukunft in dieses Netzwerk einfließen und dazu dienen, zukünftige Herausforderungen besser abschätzen und geeignete Betriebsentwicklungsstrategien für schafhaltende Betrieben in Brandenburg ableiten zu können. Ausgangspunkt der Definition typischer Betriebe war die von Dr. Michael Jurkschat von der Lehr- und Versuchsanstalt (LVAT) präsentierte Analyse zur Struktur der Schafhaltung in Brandenburg.

Die von Dr. Deblitz vorgestellten Wirtschaftlichkeitsberechnungen spiegeln einerseits die Unterschiede der Betriebssysteme und anderseits die Deckung der verschiedenen Kosten deutlich wider. Der internationale Vergleich zeigt, dass die Arbeitsproduktivität, gemessen in kg Lebendgewicht (LG) je Arbeitsstunde, in Australien aufgrund der arbeitsextensiven Wirtschaftsweise und der großen Tierbestände sehr viel höher ist als in allen anderen Ländern. Bei der Darstellung der Erlöse aus der Schafhaltung fällt auf, dass die Alttierverkäufe in Australien und Süd-Afrika eine vergleichsweise große Bedeutung haben, während in Spanien, Frankreich und Deutschland die Vermarktung von Altschafen kaum ins Gewicht fällt. Wie zu erwarten, spielen die an die Tierhaltung gebunden Prämien wie Mutterschafprämien in Spanien und Frankreich sowie Zahlungen für benachteiligte Gebiete, Grünland- oder Ökolandbauprogramme in Deutschland eine wichtige Rolle. Es sind die Opportunitätskosten des Verfahrens, die kein Untersuchungsbetrieb vollständig begleichen kann. Aber die Betriebe in Australien, Spanien und Südafrika vermögen außer den laufenden Ausgaben zumindest die Abschreibungen zu decken. Das gelingt in Frankreich, England und Deutschland nicht, denn dort übersteigen die Verkaufserlöse und Prämienzahlungen die Ausgaben nur geringfügig.

Weitere Kooperationsangebote für Landwirte mit der Hochschule werden erarbeitet; für die Fachhochschule sind die Praxisnähe der Ausbildung und die enge Zusammenarbeit mit Landwirten aus Brandenburg von großer Bedeutung. Daher entwickelten die Seminarteilnehmer, aufgeteilt in drei Arbeitsgruppen, Ideen für weitere Seminare zu drängenden Fragen der Schafhaltung in Brandenburg und hoben folgende Aspekte hervor:

  • Vermarktung von Lämmern und Altschafen
  • Bedeutung von Schulungen und Weiterbildungsangebote für Schäfer
  • Rentabilität langfristiger Investitionen wie z.B. Stallbauten
  • Weiterentwicklung der Produktionstechnik z.B. im Rahmen des Herdenmanagement
  • Rechtliche und förderpolitische Regelungen z.B. im Zusammenhang mit dem KULAP-Programm oder Wolfsmanagement

Diese Themen werden innerhalb des ESF-Projektes weiterverfolgt, um sie in den nächsten Seminaren mit den Praktikern zu diskutieren. Das Interesse der Schafhalter an diesen Problemen ist groß, denn trotz gestiegener Lammfleischpreise machen sich viele Schafhalter Gedanken über die zukünftige Entwicklung ihres Betriebes.

Die Finanzierung der Seminarreihe erfolgt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds ESF und des Landes Brandenburg.

Modul „Projekt Studienpartner Ökobetrieb“ gestartet

Das Sommersemester 2012 hat begonnen und somit das Modul „Projekt Studienpartner Ökobetrieb“ im Bachelorstudiengang Ökolandbau und Vermarktung. Im Rahmen dieses Moduls arbeiten Praktiker, Studierende und Dozenten gemeinsam an Fragestellungen aus Betrieben in der Region. Dafür wird auf das seit 2004 an der HNEE existierende und stetig wachsende Netzwerk von Studienpartnern aus dem Öko-Bereich in Berlin-Brandenburg zurückgegriffen (mehr unter http://www.hnee.de/Bachelor-Studiengaenge/Oekolandbau-und-Vermarktung/Studienpartner-Oekobetrieb/Das-Netzwerk-Studienpartner-Oekobetrieb-K1933.htm).

Die Projektpartner lernen sich kennen: Ralf Behring, Leiter des Biolandhof Behring, die Studierenden Theresa Gärtner und Adina Much sowie die Fachdozentin Frau Prof. Jana Chmieleski

Für die Organisation des Moduls werden die Partnerbetriebe im Vorfeld angeschrieben und erhalten die Möglichkeit Projektvorschläge zu formulieren. Diese generieren sie aus den aktuellen Fragen, Problemen, Ideen etc. auf ihren jeweiligen Betrieben. Aus diesem Pool von Vorschlägen werden dann passende Projektideen für das Modul „Studienpartner Ökobetrieb“ ausgewählt. Auf der Auftaktveranstaltung am Freitag wurden  die diesjährigen 16 Projekte vorgestellt – Großteils von den Betriebsleitern und –leiterinnen selbst, die extra für die Vorstellung aus ganz Nordbrandenburg angereist waren. Dadurch erhalten die Studierenden einen ersten Eindruck vom Betrieb, vom Projekt aber auch von den Betriebsleiterinnen und –leitern. Die Auftaktveranstaltung bietet somit eine erste Orientierung hinsichtlich der Projektwahl – denn aufgrund der bunten Vielfalt von Projekten zum Kräuteranbau über den Bau mobiler Hühnerställe, ökologische Rosenzucht, bis hin zur Entwicklung eines Kriterienkatalogs für Lieferanten eines Regionalladens wird es für die Studierenden schwer, sich zu entscheiden. Nach Ostern geht es dann an zehn Freitagen auf die Betriebe zum „Praxis-Projekteinsatz“. Am 5. Und 6. Juli 2012 werde die Ergebnisse auf der sogenannten Sommerakademie vorgestellt. Dazu ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen!

Workshop zur beruflichen Orientierung erfolgreich durchgeführt

Kurzmitteilung

 

Jenny, Frauke, Katrin, Anna und Sarah (v.l.) stellen sich gegenseitig ihre Zukunftsvisionen vor und hinterfragen diese aus verschiedenen Perspektiven.

Für die Studierenden des 6. Semester Ökolandbau und Vermarktung neigt sich das Studium dem Ende zu – Anlass für die Frage: Was kommt danach?
Sich mit den beruflichen Zielen, den eigenen Fähigkeiten und Talenten auseinanderzusetzen ist nicht immer einfach. Und so nahmen viele Studierende die Einladung zum Workshop „Meine Werte, Visionen, Talente – mit Power in die Zukunft starten“ gerne an. In Zusammenarbeit mit der Karriereberaterin Heike Schröder wurde dieses Angebot speziell für die Eberswalder Ökolandbaustudenten entwickelt.
Am Vormittag lernten die Teilnehmer_innen ihre individuellen „Karriereanker“ kennen und die dahinter verborgenen inneren Werte. Im nächsten Schritt erstellten alle ihre persönlichen Lebensprofile. Anschließend wurden daran im Zweiergespräch die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen benannt. Am Nachmittag arbeiteten die Studierenden kreativ: sie entwickelten ihre Zukunftsvisionen in Form von Knetskulpturen. Am Ende des Tages flossen alle Erkenntnisse in der Planung „Mein Jobprojekt“ zusammen. Hierbei legten die Einzelnen konkrete Schritte für die Erreichung ihrer beruflichen Ziele fest. Jetzt geht es an die Umsetzung!