Obst- und Weinbau zum anfassen

Im Sommersemester stehen traditionell eine ganze Reihe von spannenden Exkursionen und Feldtagen an. Dort studieren die Teilnehmer hautnah und ohne Umwege. Eine immer beliebte Reise wert ist die Weinregion Saale-Unstrut. Dort findet traditionell die Exkursion im Modul ökologischer Obst- und Weinbau statt. Besucht werden die unterschiedlichsten Obst- und Weinbaubetriebe der Region.

Zu Gast im Weingut Hey - Matthias Hey berichtet in seiner imposanten Steillage über seine Betriebsphilosophie

Besonders spannend sind dabei die Gegensätze, die sich in den fünf Exkursiontagen verdeutlichen. So war von  Familienbetrieb über biodynamischer Gemischtbetrieb und Steillagenweingut bis hin zum Großbetrieb alles zu besichtigen. Auch die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Erfurt, an der im Bereich Steinobst viele Versuche laufen, wurde besucht. Eine spannende Exkursionswoche, die vor allem durch die ganz unterschiedlichen Charaktere der Betriebs- und Bereichsleiter unheimlich bereichert wurde.

typisch Saale-Unstut: spannende, trockene Weißweine

Feldtage zwischen Wissenschaft und Praxis – NATURLAND und BIOLAND präsentieren mit der HNE Eberswalde und dem ZALF neue Nutzungskonzepte für den Öko-Ackerbau

„Anpassung an den Klimawandel durch reduzierte Bodenbearbeitung und
Diversifizierung von Anbauverfahren“ war das Thema zweier Feldtage die am 19. und 20. Juni 2012 u.a. Rahmen des Innovationsnetzwerke Klimaanpassung Brandenburg Berlin (INKA BB) in Müncheberg, Beerfelde (Naturland-Feldtag) sowie auf dem Gut Wilmersdorf (Bioland-Seminar) durchgeführt wurden. Beim Naturland-Feldtag am 19. Juni konnten sich Landwirte und Berater über die Ergebnisse der INKA BB Exaktversuche informieren, welche seit 2010 auf den Versuchsflächen „Ökologischer Landbau“ der Forschungsstation des ZALF in Münchberg durchgeführt wurden. Hier werden neue Anbauverfahren für Silomais, Luzerne-Kleegras, Körnerleguminosen, Hafer sowie Winterweizen erprobt, die sich in der Bodenbearbeitung (Ringschneider, Pflug und Grubberdrille), im Aussaattermin (Früh- und Spätsaaten) sowie im

Zwischenfruchtanbau unterscheiden. Insbesondere die Kombination dieser Maßnahmen soll den Erosionsschutz, die Durchwurzelung und somit auch die Wasserverdaulichkeit der Böden optimieren, wodurch insgesamt eine bessere Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels (Trockenheit sowie milde und feuchte Winter) erreicht werden soll. Bei der Feldbesichtigung wurde deutlich, dass insbesondere beim Silomais die reduzierte Bodenbearbeitung mit dem Ringschneider bisweilen eine sinnvolle Alternative zur üblichen Pflugbodenbearbeitung sein kann. So waren die Maispflanzen in den

Ringschneider-Parzellen, nach der Frühjahrestrockenheit im April und Mai, kräftiger entwickelt und der Oberboden hier durch eine verdunstungsmindernde Mulchauflage gekennzeichnet. Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Besichtigung des Naturland Betriebes Beerfelder Hof, dessen Betriebsleiter Martin Suer seit September 2011 einen INKA BB Praxisversuch zum Anbau von Wintererbsen (Sorte EFB 33) und Sommerroggen

durchführt. Trotz der Kahl- und Wechselfröste im Februar war die EFB 33 nicht komplett ausgewintert, was unter anderem für die Anbauwürdigkeit dieser Sorte in Brandenburg spricht.

Foto: Erprobung klimaangepasste Anbauverfahren für den Silomais: Mais nach Pflugbodenbearbeitung (links) und nach Flachbodenbearbeitung mit dem Ringschneider + Mulchsaat (rechts) Beide Varianten wurde am 09. Mai ausgesät (Foto: R. Bloch, Müncheberg 20.06.2012)

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Gegensatz zum Naturland Feldtag nahmen an dem Bioland Feldtag auf dem Gut Wilmersdorf neben Landwirten aus der Region überwiegend Ökolandbau-Studenten der HNE Eberswalde teil. Nach einer Einführung durch Bioland-Berater Uwe Becher stellte Prof. Dr. Hoffmann-Bahnsen die aktuellen Forschungstätigkeiten der HNE auf dem Partner- und Versuchsbetrieb Gut Wilmersdorf vor. Der Schwerpunkt der Forschung liegt derzeit auf angepassten Luzerne/Kleegrasnutzungskonzepten zur Erzeugung von Qualitätsweizen, die derzeit im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten schrittweise entwickelt werden. Ralf Bloch (HNE / ZALF) stellte in einem darauffolgenden Vortrag den INKA BB Exaktversuch zur Entwicklung klimaangepasste Anbauverfahren für das Fruchtfolgeglied Kleegras-Winterweizen-Winterroggen vor, der mittlerweile zum dritten Mal durchgeführt wird.

Professor Roland Hoffmann-Bahsen stellt den Besuchern des Feldtages die Feldversuche vor

An der Feldbesichtigung nahmen trotz des Regenwetters zahlreiche Studenten teil, die sich unter anderem über den Linsen-Anbauversuch von Johannes Dill sowie über die Arbeit von Sonja Kanthak informierten, die im Rahmen ihrer Abschlussarbeit die Düngewirkung von Biogasgülle auf den Winterweizenertrag untersucht.

Weitere Informationen zu den aufgeführten Feldversuchen erhalten sie über: bloch@zalf.de oder rhoffmannbahnsen@hnee.de

 

 

Tomaten vertragen keinen Kaffee und Hühner mögen Himbeerkäfer

Und was sonst noch auf Brandenburger Ökobetrieben erforscht wurde

Die Sommerakademie findet alljährlich am Ende des Sommersemesters statt. Sie bildet den Abschluss des intensiven Moduls „Studienpartner Ökobetrieb“, wo Studierende, Praxispartner und Dozenten gemeinsam Lösungen für Probleme aus der Praxis erarbeiten. Im Rahmen des Moduls bearbeiteten Studierende des 2. Semesters Ökolandbau&Vermarktung (B.Sc.) in Kleingruppen 13 verschiedene Projekte, die von Partner-Ökobetrieben Anfang des Jahres eingereicht und nach Interesse an die Studierenden verteilt wurden.

Verstreut über Brandenburg wurden zum Beispiel mobile Lämmerställe geplant und gebaut, Pflanzenversuche mit Bohnen, Tomaten, Rhabarber und Johanniskraut durchgeführt, Kriterienkataloge für die Lieferantenauswahl erstellt, Milchviehställe den Ökokriterien angepasst sowie neue Schweinställe gebaut. Weiterhin wurde der Auslauf für Hühner verbessert, Bodenanalysen sowie betriebsplanerische Berechnungen durchgeführt und Hühner versuchsweise zur Reduktion der Himbeerkäferpopulation in eine Himbeerplantage geschickt.

Während der Sommerakademie, die dieses Jahr vom 5. bis 6. Juli in der Alten Schule Stegelitz stattfand, stellen die Kleingruppen Ihre Ergebnisse vor und diskutieren mit einem interessierten Publikum. Die Resonanz war dieses Jahr so groß, dass am Donnerstagnachmittag alle Stühle der Alten Schule für die Zuhörer/innen in Gebrauch waren.

Jochen Fritz, Kampagnenleiter von „Meine Landwirtschaft“, war als Gastreferent für Donnerstagnachmittag geladen. Er erläuterte die Idee hinter der Kampagne und stellte sich einer regen Diskussion über Sinn und Zweck seiner Kampagne.

Ein weiterer Höhepunkt der Sommerakademie war die Übergabe von Kooperationsverträgen. Nach erfolgreicher 2-jähriger Zusammenarbeit haben sieben Öko-Landwirte/innen den Vertag mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH) geschlossen. Fünf Partner/in waren zur persönlichen Vertragsübergabe durch den Dekan Prof. Jens Pape sogar anwesend.

Der Donnerstag endete mit einem gemeinsamen Grillen und Musik.

Am Freitag, 6. Juli 2012, wurden die vier letzen Vorträge präsentiert und diskutiert. Eine Gruppe testet in Zusammenarbeit mit VERN e.V. u.a. für den Tomatenanbau auf dem Balkon verschiedene Düngevarianten. Ein Ergebnis ist, dass die Düngung mit Kaffeesatz nicht zu sonderlich guten Wachstumserfolgen führt.

Insgesamt wurden die 13 Projekte sehr engagiert von allen Beteiligten bearbeitet. Die Neugier und Kreativität der Studierenden, die langjährige Praxiserfahrung der Ökobauern und – bäuerinnen sowie die Expertisen der HNEE-Dozenten haben auch dieses Jahr wieder einen fruchtbaren Nährboden für neue Forschungsergebnisse geschaffen – welche Hier und Da noch vertiefend bearbeitet werden.