Klimawandel auf dem Teller? 2°Campus zum Thema klimafreundlicher Ernährung an der HNE Eberswalde

Im Bereich der Ernährung hat jeder Verbraucher CO2-Äquivalent-Einsparpotenziale – aber wie kann dieses komplexe Thema, hinter dem oft unvorstellbare Zahlen stecken, Menschen nähergebracht werden? Wie werden Handlungsanreize geschaffen, den Klimawandel über die Ernährung einzudämmen? Diesen Fragen gingen fünf junge Forscher im Rahmen des 2°Campus Ende Juli an der HNE Eberswalde eine Woche lang nach. Das Jugend-Bildungsprojekt des WWF Deutschland wird von der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt und wurde kürzlich von der UN-Weltdekade als Projekt zur „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet.

Beim WWF 2°Campus erarbeiten junge Menschen an Partnerhochschulen Lösungsansätze zur Einhaltung des 2°-Limits in den Bereichen Wohnen, Energie, Mobilität und Ernährung. An der HNE setzten sich fünf von ihnen, vier Schülerinnen und ein Schüler, insbesondere mit der Frage auseinander, wie Jugendliche zu einer klimafreundlichen Ernährung motiviert werden könnten.

Nach dem ersten Kennenlernen Ende März in Berlin studierten die Jungforscher zunächst Literatur zu Fleischkonsum und Nachhaltigkeitskommunikation und führten an ihren Schulen eine gemeinsam erstellte Umfrage zu Ernährungsgewohnheiten und Konsumverhalten ihrer Mitschüler durch. Insgesamt 300 Schüler*innen zwischen 16 und 19 Jahren wurden an fünf Schulen befragt. Die Ergebnisse werteten Prof. Dr. Anna Maria Häring und Anja Feierabend, die Mentoren der Ernährungsgruppe, in Eberswalde mit ihnen aus.

Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung auf einen Blick:

  • Knapp die Hälfte (46%) isst oft Fleisch (4-7x pro Woche).
  • 29% essen bei ihren Hauptmahlzeiten vegetarisch.
  • 31% achten auf regionale und saisonale Produkte.
  • 16% wären gegen einen vegetarischen Tag an ihrer Schulmensa.
  • 63% können sich unter dem ökologischen Fußabdruck nichts vorstellen bzw. schätzen den Anteil ihrer Ernährung falsch ein.

Hauptgründe, warum sich junge Leute nicht häufiger für eine klimafreundlichen Ernährung entscheiden, sind laut Umfrage der Preis, der Geschmack, das mangelnde Angebot, die eigenen Gewohnheiten und das Umfeld (Eltern und Freunde).

Für eine klimafreundliche Ernährung wurden nach Fritsche & Eberle (Öko-Institut e.V. 2007) folgende Kriterien festgelegt: mit dem Fahrrad, zu Fuß oder dem ÖPNV einkaufen, viel Obst, Gemüse und Teigwaren essen, weniger tierische Produkte konsumieren (Fleisch, Milch, Butter), auf eine geringe Verarbeitungsstufe und wenig Verpackung achten, keine Nahrungsmittel verschwenden, saisonale/regionale/Bio-Produkte kaufen.

Anregungen für Maßnahmen, was junge Menschen motivieren würde, solchen Kriterien zu folgen, brachte u. a. das Expertengespräch mit Prof. Dr. Pape zu Product Carbon Footprints und eine Fahrradexkursion auf die Demeter-Betriebe Ökodorf Brodowin und Hof Schwalbennest in Pehlitz. Einige Beispiele, die den Jungforschern wichtig wurden: Um die Handlungsschwelle für junge Verbraucher zu senken sollten Bio- und fair gehandelte Produkte verfügbar und z.B. in Läden einfach zu finden sein. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis muss stimmen. Da eine Entscheidung leichter fällt, wenn Freunde mitziehen, wäre es von Vorteil, wenn ein vegetarisches/veganes Leben „in“ werden würde. Vor allem die Tierhaltung auf landwirtschaftlichen Betrieben sollte nicht anonym, sondern für den jungen Konsumenten (be)greifbar sein.

Als gemeinsame Aktion möchten die Teilnehmer der Ernährungsgruppe des 2°Campus bio/faire Schokolade in ihren Schulkiosken ins Regal bringen. Ziel ist es, Jugendliche für faire und Öko-Produkte zu sensibilisieren und Vorurteile abzubauen.

Weitere Details und auch die Forschungsergebnisse der anderen Gruppen werden am 21. Oktober von 10 bis 14 Uhr in der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin vorgestellt. Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere Informationen auf www.2-grad-campus.de.

Foto: Jugendforscher/innen in der Schwärze

Copyright des Bildes: WWF/Arnold Morascher

Anja Feierabend, Mentorin des 2°Campus für die HNE Eberswalde

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