Haferdrink cooler als Kuhmilch – Schüler_innen forschen an der HNE zur CO2-Bilanz verschiedener Milchsorten

Ende Juli forschten erneut fünf Schülerinnen im Rahmen des 2° Campus* an der HNE welchen Beitrag Landwirtschaft und Ernährung zur Verringerung des Klimawandels leisten kann. Die Frage war dieses Mal: „Welche Faktoren bestimmen die CO2-Bilanz von Milch und Milchersatzprodukten?“

Foto: WWF/A. Morascher 2014


Dazu wurde die gesamte Wertschöpfungskette kritisch betrachtet: Wie wird Soja angebaut? Macht der Transportweg von Südamerika wirklich so viel aus? Wie lagern die Landwirte Mist und Gülle? Wie schneidet der Kreide-Kunststoff-Beutel in der CO2-Bilanz ab? Und was wird überhaupt eingerechnet bei Der cradle-to-grave oder cradle-to-gate? Von der Wiege bis zum Grab wäre der Weg bis zum Verbraucher, bei zweitem werden nur die Treibhausgase bis zum Hoftor des Produktionswerks einbezogen.
Aber schmecken Milchersatzprodukte überhaupt? Bei der Milchsortenverkostung überzeugten die Reismilch, weil sie schön süß schmeckt, und die Hafermilch, die gut zum Müsli passt. Am Exkursionstag wurde dann die Milch tierischer Herkunft ins Visier genommen: Die Schülerinnen radelten mit der HNE-Absolventin und Projekt-Mentorin Anja Hradetzky von Angermünde zur Firma Hemme-Milch, über Kopfsteinpflaster weiter nach Brodowin und schließlich nach Pehlitz zum Hof Schwalbennest. Deutlich wurde, dass sich alle Betriebe an den Verbraucherwünschen orientieren und durch kurze Wege und klimafreundliche Verpackung auf die CO2-Bilanz achten. Die jungen Konsumentinnen schätzten die kleineren Rinderbestände besonders: auf Hof Schwalbennest weiden nur fünf Kühe auf Naturschutzflächen rund um den Parsteinsee. Da die Milch als Rohmilch verkauft wird, entstehen auch bei der Verarbeitung weniger Treibhausgase.
Am letzten Tag in Eberswalde wurden dann noch einmal genaue CO2-Werte recherchiert. Klarer Sieger ist der Haferdrink, der nur 210g CO2-Äquivalente pro Liter ausstößt, gefolgt vom Sojadrink mit 300g. Soja wird übrigens auch am Bodensee in Bio-Qualität angebaut und verarbeitet. Bei der Herstellung von Kuhmilch fallen hauptsächlich durch Pansengärung und Wirtschaftsdünger 1000g CO2-Äquivalente pro Liter an. Bei konventioneller Milch kommen trotz höherer Milchleistungen wegen der Kunstdünger-Herstellung im Haber-Bosch-Verfahren noch einmal 200g oben drauf. Im Blick behalten müssen klimafreundliche Konsumenten aber, dass der Liter Milchersatzprodukt meistens weniger Inhaltsstoffe hat als die Milch tierischen Ursprungs. Bei 5-10% Getreide ist der restliche Bestandteil fast nur Wasser (A. Hradetzky).

Übrigens wird für nächstes Jahr eine neue Mentorin bzw. ein neuer Mentor gesucht, die/der sich für den Klimawandel interessiert und Freude an der Jugendbildung hat. Für das Projekt verantwortlich ist Prof. Anna Häring (anna.haering@hnee.de).

Foto: WWF/A. Morascher 2014

*Der 2° Campus ist ein Gemeinschaftsprojekt des WWF Deutschland und der Robert-Bosch-Stiftung. Die HNE ist eine der vier Kooperationshochschulen. Ziel des Projekts ist, mit jungen Menschen Lösungsansätze zu finden, das 2°-Limit in den Bereichen Wohnen, Energie, Mobilität und Ernährung einzuhalten. Die Ergebnisse der diesjährigen Forschungsprojekte werden am 6.10.2014 von 14-17 Uhr in der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin präsentiert. Jede/r ist herzlich eingeladen!

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